Ephraim Kishon

Ephraim Kishon, am 23. August 1924 als Ference (Franz) Hoffmann in Budapest Ungarn geboren. Studium der Kunstgeschichte und Besuch der Kunstakademie.  Als Überlebender des Holocaust 1949 Auswanderung nach Israel, wo er von einem Einwanderungsbeamten den Namen erhielt, unter dem er weltberühmt wurde. Er arbeitete zunächst in einem Kibbuz und publizierte seit 1952 politisch, satirische Glossen in verschiedenen Tageszeitungen. Ephraim Kishon lebte als freier Schriftsteller in Tel Aviv und in Appenzell (Schweiz).

Ephraim Kishon ist am 29. Januar 2005 in der Schweiz im Alter von 80 Jahren gestorben.

Er wird für uns in seinen Büchern weiterleben.


Ephraim Kishon: Sehr praktisch und ganz unbrauchbar


Jossele und ich sassen im Cafe California und starrten truebe in unsere Mokkatassen. Es war spaet in der Nacht oder frueh am Morgen, ganz wie man's nimmt. Jossele schob missmutig die Tasse fort. "Warum", fragte er, „warum erfindet man nicht endlich Kaffeetassen fuer Linkshaendler? Mit dem Griff an der linken Seite der Tasse? Das waere doch ganz einfach."
Du weisst, wie die Menschen sind", erinnerte ich Ihn. "Gerade das Einfache interessiert sie nicht." "Seit fuenftausend Jahren machen sie die gleichen langweiligen Trinkgefaesse. Noch nie ist es Ihnen eingefallen, den Griff innen anzubringen, damit das schoene runde Aeussere nicht verunstaltet wird."
"Es ist wirklich ein Jammer." Immer nur diese sture Routine." Jossele hob die einfallslose Tasse widerwillig an die Lippen und trank. "Keine Phantasie fuer Details, kein Gefuehl fuer Nuancen. Denk nur an die Naehnadeln! Pro Stunde stechen sich auf der Welt mindestens hunderttausend Menschen in den Finger. Wenn die Fabrikanten sich entschliessen koennten, Nadeln mit Oesen an beiden Enden zu erzeugen, wuerde viel weniger Blut fliessen."
"Richtig. Sie haben eben keine Ideen. Darin stehen sie den Kammfabrikanten um nicht nach. Die erzeugen ja auch keine zahnlosen Kaemme fuer Glatzkoepfige."
"Lass den Unsinn. Manchmal bist du wirklich kindisch!" Ich verstummte. Wenn man mich kraenkt, dann verstumme ich . Jossele hoerte aber nicht auf, an mir herumzumaekeln:
"Du hast nichts als dummes Zeug im Kopf, waehrend ich ueber ernste, praktische Dinge spreche. Zum Beispiel, weil wir schon bei Kaemmen sind: Haarschuppen aus Plastik. In handlichen Zellophansaeckchen. Selbst der Ungeschickteste kann sie sich ueber den Kopf streuen." "Sie werden nie wie die echten aussehen", sagte ich bockig. "Ich garantiere dir, dass man nicht einmal durchs Vergroesserungsglas einen Unterschied merkt. Wir leben in einer Zeit, in der neues Material fuer neue Zwecke verwendet wird. Huete aus Glas, zum Beispiel."
"Wozu soll ein Hut aus Glas gut sein?" "Wenn man ihn fallen laesst, braucht man sich nicht nach ihm zu buecken." Das klang logisch. Ich musste zugeben, dass die Menschheit Fortschritte macht. "Und was", fragte ich "haeltst du von einem Geschirrschrank, der auch oben vier Fuesse hat?"
Jossele sah mich ueberrascht an. Das haette er mir nicht zugetraut. "Ich verstehe", nickte er anerkennend. "Wenn der Schrank oben staubig wird, dreht man ihn einfach um. Ueberhaupt gibt es im Haushalt noch viel zu verbessern. Was mir zum Beispiel schon seit Jahren fehlt, sind runde Taschentuecher!"
"Die man nicht falten muss?" "Eben, Nur zusammenknuellen."
"Auch ich denke ueber Innovationen bei der Kleidung nach. Und vor kurzem ist mir etwas eingefallen, wofuer ich sofort das Patent angemeldet habe." "Nun?" "Eine Art elektronisches Miniaturinstrument fuer den eleganten Herrn. Ein Verkehrssignal fuer die Hose. Bei einem Toilettenfehler blinkt ein rotes Licht auf, das sicherheitshalber noch von einem leisen Summton begleitet wird."
"Zu kompliziert." Jossele schuettelte den Kopf. "Deshalb war ich ja auch gegen die Kuckucksfalle. Du erinnerst dich; Sie sollte an Kuckucksuhren befestigt werden, oberhalb der Klappe, aus der alle Stunden der Kuckuck herauskommt. Und im gleichen Augenblick, in dem er seinen idiotischen Kuckucksruf ausstossen will, faellt ihm von oben ein Hammer auf den Kopf. Auch zu kompliziert."
"Dir gefaellt wohl die Erfindung des beruehmten Agronomen Mitschurin besser?" "Wie ist die?" "Eine Kreuzung von Wassermelonen mit Fliegen."
"Damit sich die Kerne von selbst entfernen, ich weiss. Ein alter Witz. Wenn schon kreuzen, dann Maiskolben mit Schreibmaschinen. Sobald man eine Kornreihe zu Ende genagt hat, ertoent ein Klingelsignal, der Kolben rutscht automatisch zurueck, und man kann die naechste Reihe anknabbern." "Nicht schlecht." "Jedenfalls zweckmaessig und bequem. Das ist das wichtigste. In Amerika wurde inzwischen eine landwirtschaftliche Maschine erfunden, die allerdings noch verbessert werden muss, weil sie zuviel Platz braucht. Sie pflanzt Kartoffeln, bewaessert sie, erntet sie, waescht sie, kocht sie und isst sie auf."
"Ja der Mensch wird allmaehlich ueberfluessig. Angeblich gibt es in Japan bereits einen Computer , mit dem man Schach spielen kann." "Dann wuerde ich mir gleich zwei kaufen", sagte Jossele. "Die koennen miteinander spielen, und ich gehe ins Kino."
"Gut", sagte ich "Gehen wir."

© Copyright 1995 by Langen Mueller in der F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH

 

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